An(ge)dacht

Losung 3. April 2025

Mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.

Jeremia 2,13

Zeitungsandacht vom 22.2.2025

Sei nicht allzu gottlos

Dieser Tipp steht tatsächlich so in der Bibel (Prediger 7, 15-18): Sei nicht allzu gerecht und sei nicht allzu gottlos.

Eine Folgerung könnte sein: Ein bisschen gerecht ist okay, ein bisschen gottlos ist auch okay.

Ein biblisch-alter Rat, der zugleich als seelsorgerlicher Tipp wie auch als Tipp für das gesellschaftliche Zusammenleben gedeutet werden kann. Seelsorgerlich: Menschen können nicht vollkommen gerecht sein, deshalb sollen sie sich nicht darin verlieren, es von sich und anderen pausenlos zu erwarten – sie würden sich zugrunde richten, heißt es im Text. Und Menschen sollen andererseits nicht so tun, als wären sie dumm und nicht allzu gottlos handeln, weil sie laut Bibel nicht gottlos sind. In beidem können Menschen sich verlieren, in absoluter Gerechtigkeit und in völliger Gottlosigkeit. Also schlägt der Autor einen goldenen Mittelweg vor, der beides vereint: „Es ist gut, wenn du dich an beides hältst und die Extreme vermeidest.“ Bedeutet also: Kompromisse suchen, einen Mittelweg finden und die Extreme meiden. Das ist gut für die Seele.

Auch Martin Luther soll seinem Freund und Mit-Reformator Philipp Melanchthon den Rat gegeben haben: „sündige tapfer“. Melanchthon stand in der Gefahr, sich im alles richtig machen zu wollen, zu verlieren. So gab Luther ihm mit diesen Worten den seelsorgerlichen Tipp: meide das Extreme, suche den Mittelweg, sei nicht zu streng mit dir.

Ich sehe in den genannten Versen und in Luthers Spruch auch einen gesellschaftlichen Tipp, denn auch für das Zusammenleben gilt doch immer wieder: Kompromisse suchen, einen Mittelweg finden und die Extreme meiden. Vielleicht sogar ein Tipp zur morgigen Bundestagswahl!?

Den goldenen Mittelweg nennt der biblische Autor Ehrfurcht oder Gottesfurcht, zwei alte Begriffe, die wir heute neu entdecken, neu beleben können. Ehrfurcht/Gottesfurcht meint: Respekt, Anerkennung, Hingabe, Güte, Demut und auch Nachfragen und Staunen vor dem „großen Ganzen“, vor etwas Höherem, etwas Göttlichem, Gott. 

Ehrfurcht lädt ein zum Innehalten, zum Bedenken, zum Mittelweg finden. Ehrfurcht lädt ein, sich im großen Ganzen einzuordnen, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, aber auch nicht zu unwichtig. Mit solch einer Ehrfurcht kann mensch sich selbst und seiner Umwelt gütig begegnen.

Holger Baller, Pastor der Evangelischen Gemeinschaft Rhauderfehn

Jahreslosung 2025

Prüft alles und behaltet das Gute! 1.Thessalonicher 5,21

Ein Satz aus dem ältesten neutestamentlichen Schreiben. Evangelien, Apostelgeschichte, Paulus-Theologie gab es noch nicht. Ein Vers, ein Satz, eine Ermutigung für eine der ersten christlichen Gemeinden. Im Kontext erfahren wir, dieser Satz bezieht sich auf prophetisches Reden, auf das Wirken von Heiliger Geistkraft an, in und durch andere Menschen. Paulus gibt den Rat: Prüft alles und behaltet das Gute! Paulus geht also davon aus, dass es Gutes gibt, auch wenn es nicht für jeden gleich verständlich oder ersichtlich ist. Weiter traut er zu, dass die Gemeinde als Glaubensgemeinschaft gemeinsam (also einander achtend und wertschätzend) prüfen und erkennen kann, was gut ist, was gut tut – das sollen sie behalten.

Und heute? Es gibt das Gute! Vielleicht ist es mit Achtsamkeit, Gegenwärtigkeit und Wertschätzung zu entdecken und zu behalten. „Prüft alles“ heißt auch, „prüft immer wieder“: Ist der eingeschlagene Weg tatsächlich weiterzugehen? Was ist uns wichtig? Was erfreut uns? Wo erfahren wir Bestätigung? Prüft alles und behaltet das Gute! Eine herausfordernde Ermutigung.

Holger Baller, Gemeinschaftspastor der Evangelischen Gemeinschaft Rhauderfehn

Advent

Warten, Ankommen.  
Auf jemanden, bei jemanden.

Ich warte auf …
… mich.

Ich komme an bei ...
... mir.

Jesus, du auch? 

Selbst die Natur hält inne, wartet,
selbst die Sonne ist weniger sichtbar, die Tage kürzer.

Die Nächte länger und dunkler.
Also Zeit für: Rückzug. Warten. Ankommen.

Advent.

Versicherungen

Liebe Leserinnen und Leser dieser Zeilen!
Hast du / haben Sie eine Rechtsschutzversicherung? Nein? Sicherlich aber eine Tierhalterhaftpflicht-Versicherung oder wenigstens eine Lebensversicherung und die dann hoffentlich auch gleich mit Berufsunfähigkeits-Versicherungszusatz. Und bitte nicht vergessen, für die Rente privat vorzusorgen! 
Ein Anlageberater sagte einmal: Uns ist es eigentlich egal, ob es der Wirtschaft gut oder schlecht geht. Geht es ihr gut, dann kaufen die Leute, weil sie Geld übrig haben. Geht es ihr schlecht, dann kaufen sie aus Angst vor der ungewissen Zukunft. Vom Geld anderer Leute kann man also immer leben, und das umso besser, je unbeständiger die Zeiten sind. 
Wir binden uns in Verträgen über Jahre und Jahrzehnte, und wir erhoffen uns dadurch eine möglichst umfassende Lebenssicherung - ganz zu schweigen von eventuellen Renditen, die von den Versicherern ständig nach unten korrigiert werden. Aber alles vertraglich absichern zu wollen, ist das nicht etwas viel verlangt? Gegen alle Widrigkeiten des Lebens lässt sich kein Vertrag aushandeln - und erst recht nicht gegen den Tod. 
Gott hat uns dagegen einen ewigen Bund geschenkt und ihn durch Jesus Christus bestätigt. Gegen alle Ängste und Sorgen, die uns umtreiben und manchmal schier verzweifeln lassen, steht dieser Bund Gottes mit uns. Und Gott ist ein vollkommen zuverlässiger Vertragspartner. Er befreit uns von dem Wahn, dass wir alle Verantwortung ganz allein tragen und unser Leben in jeder Hinsicht absichern müssten. Versicherungen haben die meisten sicherlich genug. Und denen vertraut ihr / vertrauen Sie doch auch. Wann unterschreiben oder erneuern wir – du und Sie und ich den Vertrag - den Bund - mit Gott? ER hält uns die Hand entgegen, Jeder braucht nur noch die entgegen gestreckte Hand zu ergreifen. Es gibt nichts Lohnenderes.
Gutes Nachdenken!
Ralph Böttcher

Von Türen

Andacht im General-Anzeiger vom 24.8.2024

Offene Türen, geschlossene Türen. Kleine Türchen, große Türen, Scheunentore. Tatsächliche Türen und Türen im übertragenen Sinne. Türen als Chance und als Herausforderung. 

In Pandemiezeiten waren Eingangs- und Ausgangstüren besonders gekennzeichnet, damit man sich nicht oder nur mit Abstand begegnet. Eingangstüren, um hineinzukommen in Häuser, Betriebe oder andere Gebäude oder auch in Situationen und Beziehungen. Ausgangstüren, um herauszukommen. Welche Tür wann zu nehmen ist, gilt es zu entscheiden. 

Manche Tür hält fest und es wäre doch so leicht, sie zu öffnen, um herauszukommen. Manche Tür lässt sich nicht (mehr) öffnen, um hineinzukommen, vielleicht ist es auch gut so. 

In einer biblischen Geschichte steckt ein Thomas hinter verschlossenen Türen. Er will sich und seine Freunde schützen vor der Außenwelt. Schutztüre. Thomas möchte in seiner Trauer um einen verstorbenen Freund allein sein, unter Freunden sein. Nachvollziehbar.

Ein heutiger Thomas, mein Freund, ist kürzlich verstorben. Ende 50, kein Alter, um zu sterben. Ihm standen alle Türen offen, „weil man mit ihm nicht streiten konnte“, so der Pastor im Gottesdienst zur Beerdigung. Das stimmt, man konnte mit Thomas nicht streiten, nicht mal über Fußball, nicht mal HSV gegen Werder, weil Thomas so sympathisch und empathisch war. Beliebt war er, weil ihm Dinge wie Streit, Rechthaben, Macht nicht wichtig waren, in keinem Lebensbereich. Wenn Thomas doch eine Tür verschlossen blieb, z.B. die Tür zur Gesundheit, wartete er geduldig. Bis zuletzt.

In der biblischen Geschichte kommt zu dem Thomas trotz verschlossener Türen Jesus hinein. Sein Freund, der verstorben war, lebt. Unglaublich für Thomas. Erst als er ihn sieht und hört und berührt, weiß er, dass es eine Hoffnung über diese Welt hinausgibt, dass es Türen gibt, die gar nicht sichtbar sind, dass die Himmelstür offensteht.

Das hat auch mein Freund gehofft und geglaubt, dass dennoch Türen da sind, dass es irgendwie weiter geht, auch wenn es zu Ende geht. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Thomas wollte gerne, dass bei seiner Beerdigung diese Zeilen von Dietrich Bonhoeffer Trost und Ermutigung geben. 

Das Gedicht von Bonhoeffer ist zu einem Kirchenlied geworden. Es drückt eine tiefe Geborgenheit und Zuversicht aus, die über unsere Welt hinausgeht. 

Hoffnung hinter verschlossenen Türen, offene (Himmels-)Türen, tiefe Geborgenheit, Zuversicht - das wäre doch was, oder?

Holger Baller, Pastor der Evangelischen Gemeinschaft Rhauderfehn

Zuhause?

Ich hab da mal eine Frage: Was bedeutet „Zuhause sein“ – für dich?

Bist du es gerade jetzt – Zuhause? Oder bist du gerade im Urlaub unterwegs und wirst erst demnächst wieder Zuhause sein? Ist "Zuhause" für dich ein bestimmter Ort oder eher ein Gefühl oder ein Zusammensein mit den richtigen Menschen?

Die Bibel berichtet mehrmals vom Zuhause sein, auch in einer kleinen Geschichte, von jemandem der erst merkt, als er sein Zuhause nicht mehr hat, wie es ist, ein Zuhause zu haben. Er hatte es sich selbst ausgesucht, sein Zuhause zu verlassen, aber wohl ganz anders vorgestellt, so ist das ja manchmal im Leben - und dieser Mensch macht sich schließlich auf den Weg zurück nach Hause. 

Die Besonderheit in dieser biblischen Geschichte ist, dass er dort freudig und sehnsüchtig erwartet wird, zurückerwartet, Zuhause. Menschen haben auf sein Nachhausekommen gewartet – das ist für ihn Zuhause sein. 

Und Jesus, der diese Geschichte erzählt, fügt hinzu – so ist es im Himmel: Ein Erwartetwerden. Zuhause.

Ich wünsche Dir ein gesegnetes Zuhausesein oder Nachhausekommen.

Holger Baller, Gemeinschaftspastor